Enchyträen

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Enchyträen findet man überall dort, wo organische Stoffe in Fäulnis übergehen und genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, z. B. in Dunghaufen und im Spülsaum der Meeresküsten. Viele treten in großer Wohndichte auf. Man hat bis zu 25.000 pro Quadratmeter gezählt. Damit ist die Grundlage für eine erfolgreiche Enchyträenzucht gegeben. Da die meisten Futtertiere für Aquarienfische nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten züchtbar sind, hat man mit den Enchytraeen ein gutes, zu jeder Zeit bereitstellbares Lebendfutter in der Hand. Sie fressen organische Reste aus ihrer unmittelbaren Umgebung, wobei ein gewisses Wahlvermögen feststellbar ist. Stark riechende Substanzen werden bevorzugt. Enchytraeus albidus, die eigentliche Enchyträe, wird annähernd 4 cm lang. Enchytraeus buchholtzi, das Grindalwürmchen, bleibt wesentlich kleiner.
Um Enchyträen zu verfüttern, ist eine Zucht erforderlich. Zuchtansätze sind im Zoohandel käuflich oder von befreundeten Aquarianern zu erwerben. Eine Holzkiste von etwa 30cm x 20cm x 20cm wird mit einem Gemisch aus Sand, Torfmull und Blumenerde zu gleichen Teilen gefüllt und gut durchfeuchtet. In eine flache Rinne gibt man zunächst den Zuchtansatz, eine etwa walnussgroße Wurmmasse, darüber etwas Boden. Eine dünne Schicht Futterbrei und wieder etwas Boden folgen. Eine Glasplatte, die etwa Dreiviertel der Bodenfläche bedecken sollte, wird aufgelegt. Das Ganze wird mit einem Stück Holz oder Pappe abgedeckt. Einmal wöchentlich ist zu füttern. Futterreste müssen sorgfältig entfernt werden. Bei einer optimalen Temperatur von 18 °C kann man nach vier Wochen mit der Entnahme für Futterzwecke beginnen. Es werden nur die Würmer entnommen, die sich an der Futterstelle unterhalb der Glasscheibe angesammelt haben. Jegliches Umgraben, der Zucht ist zu vermeiden. Dadurch würden die Kriechgänge verschüttet und die Eikokons zerstört. Die Zuchterde soll feucht, aber nicht nass sein. Die Aufstellung muss lichtgeschützt erfolgen. Hat man zwei oder drei Futterkisten, so entnimmt man im Wechsel.
Als Enchyträenfutter eignen sich gequollene Haferflocken, Weißbrot und ähnliches. Am günstigsten ist, man füttert quer durch die Küche, d.h. etwas Gemüse, mal eine Wurstpelle aus Naturdarm. Dabei sind bodensäuernde Milchspeisen zu vermeiden. Wird nur mit Haferflocken gefüttert, so erhöht sich der Fettgehalt der Würmer, und der Eiweißanteil sinkt. Als Futterbrei kann empfohlen werden: 70 % Haferflocken (auch Hafermark oder Haferschnee), dazu gibt man wassergeweichte Brötchen, Gemüsereste und gekochte Kartoffeln als Zusatz.
Viele unserer Aquarienfische bevorzugen benthische, d.h. am Boden lebende, Nahrung. Wurmfutter wird auch von anderen Arten gern genommen und ist fast unbegrenzt verwendbar, wenn man einige Gefahren und Sachverhalte kennt und berücksichtigt. Das Problem bei Enchyträenfütterung ist der Fettgehalt der Tiere. Die chemische Analyse ergibt 75 % Wasser, 15 % Eiweiß und 6 % Fett. Als alleiniges Dauerfutter sind Enchyträen ungeeignet. Bei ausschließlicher Enchyträenfütterung über längere Zeit tritt eine allgemeine Verfettung der Fische auf, die mit Anfälligkeit gegen Krankheiten und Unfruchtbarkeit einhergeht und mit dem Tod endet. Als gehaltvolle Beifütterung sind Enchyträen jedoch wertvolle Futtertiere. Im Wasser sterben sie bald ab. Deshalb darf man nur so viel füttern, wie sofort gefressen wird.
Es sei nochmals darauf hingewiesen, trotz dem, bei genauer Einhaltung der Zutaten, hohen Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen, Enchyträen nicht als Alleinfutter geben. Dies führt je nach Fischart zu Verdauungs- und/ oder Verfettungsprobleme. Höchstens 2 - 3 mal wöchentlich verfüttern. Geben Sie ansonsten ein, von den Inhaltsstoffen her ausgewogenes, hochwertiges Futter oder anderes Lebendfutter, da sonst Mangelerscheinungen auftreten können.
Wenn die Erde in den Ecken oder in tieferen Schichten trocken werden sollte, ist regelmäßiges Befeuchten notwendig. Eine zu nasse oder verschlammte Kultur ist meist zu häufig gefüttert worden. Wenn der Feuchtigkeitsgrad der Erde nicht stimmt, geht auch die Vermehrungsrate zurück. Milbenbefall in geringem Ausmaß sollte nicht bekämpft werden. Bei zu starker Milbenvermehrung Enchyträen füttern und dann die Kultur inklusive Futter lückenlos mit 1- 2 cm absolut trockenem Sand bedecken und 1 Woche stehen lassen. Dann den Sand wieder vorsichtig abheben. Eine so betriebene Enchyträenkultur ist eine Dauerkultur, die mindestens 1 Jahr regelmäßig Lebendfutter liefert, bevor sie neu befüllt werden muss.

Foto: Peter Franzek